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Resilienz als gestalterische Kraft

MARIA ERTL und ULLI HUMMELBERGER ergründen die Frage: Was macht Organisationen wirklich zukunftsfähig in Zeiten permanenter Veränderung?

Warum Zukunftsfähigkeit mehr braucht als Widerstandskraft: In diesem Dialog reflektieren zwei Organisationsentwicklerinnen Resilienz als strategische Gestaltungsfähigkeit von Organisationen – jenseits von Durchhalteparolen und individuellen Appellen. Im Zentrum steht die Frage, wie Resilienz Stabilität sichert und gleichzeitig gezielte Erneuerung ermöglicht.

MARIA ERTL Wenn ich heute das Wort Resilienz höre, denke ich oft zuerst an das Individuum. An Menschen, die gefordert sind, gut mit auftretenden Herausforderungen umzugehen. Und ja – das ist wichtig. Aber es greift zu kurz. Gerade in Transformationsprozessen stellt sich für mich die viel größere Frage: Wie können Organisationen Resilienz entwickeln, die nicht nur stabilisiert, sondern bewusst Zukunft gestaltet?

ULLI HUMMELBERGER Da bin ich ganz bei dir. Resilienz wird derzeit sehr häufig über das individuelle Erleben diskutiert – darüber, wie Menschen mit Druck und Unsicherheit umgehen. Das ist ein wichtiger Aspekt. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Resilienz ihre eigentliche Wirkung erst dann entfaltet, wenn Organisationen sie als gemeinsame Aufgabe verstehen. Uns geht es deshalb weniger um individuelles Durchhalten, sondern um die Fähigkeit von Organisationen, auch unter Unsicherheit lern- und entwicklungsfähig zu bleiben.

MARIA ERTL Zumal hochresiliente Teams sogar strukturelle Schwächen kaschieren können. Sie gleichen aus, puffern ab, halten das System am Laufen – bis es irgendwann nicht mehr geht. Organisationale Resilienz heißt für mich deshalb: nicht nur überleben, sondern eine Erneuerungskraft entwickeln. Wir sprechen dann von transformativer Resilienz – also der Fähigkeit, sich durch Krisen hindurch weiterzuentwickeln.

ULLI HUMMELBERGER Genau. Resiliente Unternehmen stellen sich nicht nur die Frage: „Wie kommen wir da durch?“, sondern vor allem: „Was will durch die- se Krise entstehen?“ Das ist kein romantischer Gedanke, sondern ein strategischer Perspektivwechsel. Er verlangt die Fähigkeit, Stabilität und Veränderung gleichzeitig zu halten.

MARIA ERTL Und genau darin liegt für viele Organisationen der eigentliche Schmerzpunkt. Dieses Spannungsfeld erlebe ich in vielen Organisationen sehr deutlich. Bewahren oder erneuern?
Effizienz oder Experiment? Sicherheit oder Risiko? Dabei braucht es kein Entweder-oder, sondern ein bewusst gestaltetes Sowohl-als-auch. Stabilität durch Purpose, Werte und ein gemeinsames Zukunftsbild – und gleichzeitig Möglichkeitsräume, in denen Neues entstehen darf, auch ungeplant.

ULLI HUMMELBERGER Und genau hier wird es spannend: im Dialog zwischen Alt und Neu. In vielen Unternehmen wird „das Alte“ gegen „das Neue“ ausgespielt. Hier die erfahrenen Leistungsträger:innen, die Systeme am Laufen halten. Dort die Innovator:innen, die alles infrage stellen. Resiliente Organisationen entscheiden sich nicht für eine Seite. Sie schaffen Räume, in denen Erfahrung als Ressource gesehen wird – und in denen Neues als Einladung verstanden wird.

MARIA ERTL Das setzt allerdings voraus, dass Strukturen, Kultur und Führung das auch zulassen. Menschen müssen Verantwortung übernehmen können, nicht nur sollen. Lernkultur heißt dann: Experimente sind erlaubt, Scheitern ist Teil des Prozesses. Und Führungskräfte schauen regelmäßig aus der Metaebene auf Routinen, Regeln und Muster. Immer mit der Frage: Dienen sie noch unserer Zukunftsfähigkeit?

ULLI HUMMELBERGER Für mich ist das der Kern moderner Führung: Übersetzer:in zwischen Welten zu sein. Nicht zu entscheiden, was richtig oder falsch ist, sondern Spannungen auszuhalten, Dialog zu ermöglichen und Kontext zu gestalten. Resilienz entsteht im Dialog. Zwischen Generationen. Zwischen Funktionen. Zwischen Stabilität und Veränderung.

MARIA ERTL Und sie entsteht dort, wo Sinn spürbar ist. Ein gelebter Purpose wirkt wie ein stabilisierender Anker. Wenn Menschen wissen, wofür sie das alles tun, übernehmen sie Verantwortung, treffen mutige Entscheidungen und bleiben auch unter Unsicherheit handlungsfähig.

ULLI HUMMELBERGER Viele Organisationen versuchen, Resilienz über Effizienz zu steigern – durch schlankere Prozesse, mehr Output, weniger Reibung. Wie schätzt du dieses Thema ein, Maria?

MARIA ERTL Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Effizienz ist dort resilienzstärkend, wo sie unnötige Komplexität reduziert, Verschwendung vermeidet und Freiräume für Lernen, Dialog und Innovation schafft. Sie wird dort resilienzschwächend, wo Puffer, Redundanzen und Zeit zum Nachdenken wegoptimiert werden. Resilienz entsteht also dort, wo Strukturen auch in unsicheren Zeiten tragen – und Entwicklung ermöglichen.

ULLI HUMMELBERGER Und genau hier schließt sich der Kreis: Resilienz beginnt dort, wo Organisationen ihre Zukunft bewusst gestalten – gemeinsam und vorausschauend anstatt reaktiv.

MARIA ERTL Vielleicht ist das die eigentliche Einladung von Resilienz: nicht weniger Unsicherheit – sondern mehr Fähigkeit, mit Unsicherheit wirksam zu sein.

Fragen zur Selbstreflexion - INOVATOR #45


AutorInnen:

Maria Ertl
Gesellschafterin und Consultant

Ulli Hummelberger
Consultant


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