ANDREA AUINGER zeigt anhand praktischer Tools, wie der Führungsalltag mit achtsamer Kommunikation und innerer Ruhe besser gelingt.
Wer kennt es nicht? Ein voller Terminkalender, ständige Veränderungen und dann noch der Druck von Kund:innen oder Vorgesetzten. Im Führungsalltag prasseln täglich neue und teilweise ungesunde Herausforderungen auf Sie ein. Da sich Ihre eigene innere Verfassung direkt auf Ihr Team überträgt, stellt sich die Frage: Wie gelingt es, inmitten des Trubels nicht nur effektiv, sondern auch achtsam und gesund zu führen?
Eine kurze Reflexion: Haben Sie schon einmal bemerkt, wie sich Ihre innere Unruhe auf Ihr Team auswirkt – oder umgekehrt, wie Ihre Gelassenheit den Stress anderer reduzieren kann? Stress ist nämlich „ansteckend“. Schon alleine das Beobachten stressiger Situationen kann den Puls und das Cortisol- Level (ein Stresshormon mit weitreichenden Auswirkungen) erhöhen – umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und konstruktiv mit Belastungen umgehen zu können.
Neurowissenschaftlich ist belegt, dass ein überaktiviertes Stresssystem (wenn wir z. B. ständig im aktiven Sympathikus-Modus sind) zu Reizbarkeit, Impulsivität und Tunnelblick führt. Der Vagusnerv (auch Vagabundus genannt) verbindet als 12. Hirnnerv Gehirn und Organe und steuert somit viele Körperfunktionen. Diese Weiterleitung der Signale zu den Organen merken wir bei Stress am erhöhten Puls, Bluthochdruck, im Verdauungssystem und mehr. Kurz: In herausfordernden Situationen schlägt unser Nervensystem Alarm. Und dieser Druck überträgt sich auf die Umgebung.
Das Gute: Es klappt auch in die andere Richtung; auch Gelassenheit ist „ansteckend“. Für eine gesunde Führungskultur brauchen wir also achtsame Kommunikation und etwas mehr innere Ruhe. Wie das geht? Hier ein paar einfach umzusetzende Empfehlungen.
„Gelassenheit ist eine Führungs-Kraft. Was Sie ausstrahlen prägt Ihr Team.“
Schnelle Wirkung
Kultivieren Sie Ihre innere Ruhe und stärken Sie Ihr Nervensystem. Wieder in Balance lässt es sich gleich viel klarer und ruhiger denken, kommunizieren und mitunter bessere Entscheidungen treffen. Eine schnell einsetzbare beruhigende Übung ist beispiels- weise die Atemtechnik „Box Breathing“ (4 Sekunden einatmen – 4 Sekunden halten – 4 Sekunden ausatmen – 4 Sekunden halten – mehrmals wiederholen) oder sogenannte Mikro-Pausen im Arbeitsalltag (den Boden unter sich bewusst spüren, sich Anker setzen, …).
Fragen stellen
Misstrauen macht krank, fördert Burnout bzw. lässt Mitarbeitende flüchten – also kündigen. Fragen öffnen den Raum – Druck verschließt ihn! Führen heißt daher auch zuhören. Schaffen Sie im Gespräch volle Präsenz, halten Sie Blickkontakt und hören Sie Ihrem Gegenüber aktiv zu; ich verwende gerne den Begriff des „tiefen Hörens“. Eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre entsteht dann, wenn sich Mitarbeitende oder Kolleg:innen sicher fühlen und ehrlich austauschen können – die Grundlage einer gesunden Führungskultur.
Self-Check-in
Emotionale Intelligenz beginnt mit Selbstwahrnehmung (wie bei Daniel Goleman in „Emotionale Intelligenz“ nachzulesen). Wer die eigenen Stresssignale frühzeitig erkennt, kann klarer und authentischer führen – statt oft nur noch zu reagieren.
Ein kurzer Self-Check-in vor dem Meeting kann schon helfen: Wie geht’s mir gerade? Bin ich präsent oder fühle ich mich getrieben? Welche kurzen persönlich hilfreichen Strategien kann ich anwenden?
Übungssache
Selbstführung beginnt im Körper und nicht im Kopf oder im Terminkalender. Sie entsteht nicht automatisch, sondern entwickelt sich im Zusammenspiel aus Vorbildern, Erfahrungen und (Selbst-)Reflexion – also über viele Stationen im Leben. Nicht jede:r bringt sie automatisch mit. Für Führungskräfte ist sie daher eine wichtige Schlüsselkompetenz. Nur wer sich selbst gut führen kann, kann das auch mit anderen. Egal, ob im Job oder privat. Insofern ist Selbstführung auch Sinn-voll, gibt uns im Leben Halt und Orientierung. Es lohnt sich also, Selbstführung immer wieder zu üben.




